Leseprobe: Julia am Eisenofen

Ingrid Samel
Julia am Eisenofen

Roman

 

PrologAuf dem Weg zur Schule war Julia von Stein zu Stein gehüpft. Endlich, der erste Schultag!Wie alle Kinder setzte sie sich still auf den ihr zugewiesenen Platz im Klassenzimmer und wartete. Dann gaben alle an, wie sie hießen, wo sie wohnten, Namen der Eltern, was der Vater arbeitete. Der alte Mann vorn am Pult führte seinen Stift sorgsam über das Papier. Dann kam sie an die Reihe.»Beruf des Vaters?«, fragte er.»Erfinder.«Der Lehrer schaute auf. »Was erfindet denn dein Vater, mein Kind?«»Dass er da ist.«Ein allgemeines Gelächter war diesem Satz gefolgt. Doch es stimmte, Julia hatte keinen Vater mehr – nur einen, von dem sie sich manchmal vorstellte, dass er noch da wäre, und mit dem sie Gespräche führte.»Was hättest du gesagt, wenn du an meiner Stelle gefragt worden wärst?«, hatte sie den Vater am selben Abend noch gefragt, während sie sich die Zähne putzte.»Ich hätte das Gleiche gesagt wie du«, hatte er geantwortet. »Dein Vater ist Erfinder.«2(...)

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