Leseprobe: Die Jagd

Claus Probst
Die Jagd

Seit  der  Sache
mit Torrini hat man achtmal versucht, mich zu töten. Vermutlich gibt es nur wenige Menschen, die das von sich behaupten können. Mit Ausnahme einiger Diktatoren, Rebellenführer und Drogenbarone, die sich jedoch nicht mit mir vergleichen lassen, denn sie umgeben sich meist mit einer Armee von Leibwächtern. Ich dagegen bin völlig auf mich gestellt. Um mich zu töten, braucht es nicht viel. Keine langwierigen Vorbereitungen. Keine Autobombe. Keinen verblendeten Selbstmordattentäter. Ich bin ein verwundbares Ziel. Ohne Einfluss und Schutz. Ein Messer, etwas Gift oder eine kleinkalibrige Pistole reichen völlig aus, um Torrinis Weisung in die Tat umzusetzen. Aus der simplen Tatsache, dass ich Ihnen jetzt davon berichte, werden Sie sich allerdings unschwer ableiten können, dass sämtliche Versuche, mich ins Jenseits zu befördern, dennoch erfolglos geblieben sein müssen. Auf dieses Detail bin ich stolz, und obwohl ich mir ein Leben ohne Angst längst nicht mehr vorstellen kann, tröste ich mich seit Jahren mit dem Gedanken an Torrinis Wut, mich noch immer nicht zur Strecke gebracht zu haben.

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