LitOff-Textforum in der Stadtbücherei Heidelberg

In der zweiten Reihe …

… mussten am 17. März einige später gekommene Gäste des LitOff-Textforums Platz nehmen. Mit 34 Autorinnen und Autoren war der kleine Saal der Stadtbücherei Heidelberg gut gefüllt. Ein Grund dafür könnte der unerwartete und hocherfreuliche Besuch der Textwerkstatt aus Beerfelden sein. So war der gute Ruf (der bereits seit 25 Jahren bestehenden Diskussionsrunde) bis in die Odenwälder Berge vorgedrungen. Dass die dort entstehende Literatur zwar hinter den Bergen, aber keinesfalls hinterm Mond entsteht, zeigten uns die wackeren Gesellen der Literaturrunde. Wer sonst noch da war? Bleibt anonym, denn wir kennen nur die Vornamen der Lesenden. Wer sich dahinter verbirgt? Bleibt eine unbeantwortete Frage.

Doch Fragen hatten auch die wagemutigen Teilnehmer, die sich einer ersten Diskussion zusammen mit der LitOff stellen wollten: Ob ein Gedicht ein Vorwort ersetzen kann? Michael ist sich nicht sicher und liest es uns einfach mal vor. Ob wir danach sein Buch noch lesen?, fragt er. Vorsichtig wirft jemand ein, dass es doch gar nicht so leicht ist, in feinen Reimen zu sprechen. Und ein anderer fragt: passt ein Vor-Wort-Gedicht zum Thema Mobbing? Bestimmt, meint eine andere, aber es muss einfach gut sein. Die Runde rät zur Vorsicht und eher zu einem Nachwort. Ein Satz der (fast) immer gilt: Nicht jeder gute Romanschreiber ist ein ebenso guter Lyriker.

Und dann beschäftigt sich gleich noch ein Text mit Mobbing. Hennes ist Lyriker und er zeigt uns allen, wie es geht: Gereimte Lyrik mit Drive. Plötzlich sind alle dabei und am liebsten würde sich die Runde dem Thema widmen und nicht dem Text. Doch da mahnt der strenge LitOff-Moderator Jancu an, sich wieder der Textdiskussion zu widmen. Es geht ja schließlich ums geschriebene Wort.

Im nächsten Text geht es um singende Hühner in Frankreich. Ja, richtig gehört. Heidi erklärt uns wie das geht. Ein Stallbesitzer hat seinen Hühnern beigebracht, dass sie bei seinem Anklopfen mit einem Schlüsselbund an den Käfig zu singen beginnen. Schlüssel laut, Hühner singen hoch, Schlüssel leise, Hühner gackern tief. Nicht zu glauben? Doch, denn die meisten ihrer Texte haben einen wahren Hintergrund.

Ob die nächste Geschichte einen wahren Hintergrund hat, ist nicht leicht zu erfahren, denn sie spielt in der Steinzeit, wo eine Horde Steinzeitmenschen ein saftiges Mammutsteak verzehrt. Schon damals gab es Künstler, obwohl bestimmt noch keine Schriftsteller darunter waren. Und einer schnitzte eine kleine Steinzeitvenus aus einem Mammutknochen.

Ums Essen und Trinken geht es auch im nächsten gekonnt gereimten Text. Ein Mann und eine Frau treffen sich zum gepflegten Abendessen zuhause. Aber dabei bleibt es nicht. Nicht so, wie Sie jetzt vermuten. Nein, es ist ein Krimigedicht. Und die gute Köchin hat nicht nur eine Leiche im Keller.

Kein Gedicht brachte Titus zu Ohren, sondern musikalisch Gerapptes. Das Leben ist eine Warteschlange vor der Theaterkasse. Willst du dich einreihen? Nichts ist ohne Risiko. Für manchen ist es erstrebenswerter sich immer wieder hinten anzustellen.

Und dann wollte eigentlich Armin noch vorlesen. Leider hatte der elfte Lesewillige Pech. Die Runde musste geschlossen werden, damit der Hausmeister auch mal nach Hause gehen kann. Schade, sagten alle. Schön war es. Die Köpfe sind noch voll von den zahlreichen Eindrücken und Geschichten und mancher träumt dann nachts von rappenden Mammuts und singenden Hühner in der Warteschlange vor der Theaterkasse.

Das nächste Textforum findet übrigens
am Dienstag 19. Mai um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei in Heidelberg statt.
Der Eintritt ist seit 25 Jahren frei. ;-).

von Anette Butzmann, März 2015

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